„Bassisten an die Macht“ 10 Fragen an den Tontechniker Sven Minder

Hier kommt mal wieder ein Beitrag in der Reihe „10 Fragen, die ich schon immer mal von einem Tontechniker wissen wollte“.

 

sven_minder

Heute kommt Sven Minder zu Wort. Sven ist bereits seit über 20 Jahren als freier Toningenieur für Live- und Studioproduktionen tätig. Seine Referenzliste als FOH-Operator, Monitor-Operator oder Studioingenieur beinhaltet Namen wie Andrea Berg, Andreas Bourani, CRO, The Orsons, Muse, Macklemore & Ryan Lewis, Snoop Dog, David Guetta, FloRida, Bonfire, Status Quo u.v.a.m. um nur einige zu nennen.

Kennengelernt haben wir uns bei einem Konzert der Schlagersängerin Laura Wilde, bei dem Sven als Toningenieur und ich als Bassist und MD gebucht waren.

„10 Fragen, die ich schon immer mal einen Tontechniker fragen wollte“

Wie sieht für Dich ein perfekter Bass-Soundcheck aus, bzw. was sollte ein Bassist beim Soundcheck spielen, dass Du den Sound einstellen kannst?

Ein idealer Soundcheck mit einem Bassplayer, dies gilt generell für alle Musiker, beginnt mit dem Einhalten von Zeitplänen. Eine gute Show beginnt mit einem detailiert geplantem Zeitplan. Anschließend das Aufbauen der Backline, Überprüfen seiner eigenen Instrumente, Stimmen, Anspielen. Ist mein Sound so wie ich ihn haben will? Das kann und darf auch mal 20-45 min in Anspruch nehmen,  je nach Instrument.

Anschließend Linecheck mit den jeweiligen Instrumenten. Der Linecheck sollte beginnen, wenn alle Instrumente persönlich, also ohne PA, aufgestellt, gestimmt und optimiert sind und Ruhe auf der Bühne herrscht. Es kann kein vernünftiger Bass- oder Drumsound zustande kommen, wenn der Gitarrist noch zum x-ten mal sein neuestes Solo bei voll aufgedrehtem Amp proben muss.

Eine gute Band, mit einer daraus resultierenden guten Performance, erkennt man auch an der Disziplin, die die einzelnen Musiker in bestimmten Situationen mitbringen, um ein schlüssiges, gutes Ganzes zu repräsentieren. Beim Basssound achte ich speziell darauf, dass sich der Bassplayer auf der Bühne gut hör, aber es auch nicht übertreibt. Der beste Bühnensound bzw. die beste Bühnensituation ist die, wenn alle sich und die anderen hören können. Erst danach sollte eine „Individualisierung“ per Monitorbox erfolgen. Die Monitorbox wird leider heute meistens dazu „zweckentfremdet“ seinen eigenen Sound noch lauter abzuhören. Das führt dazu, dass die meisten Musiker heutzutage mehr auf ihren Sound und ihr Spiel hören und nicht mehr, wie es in einer Band eben sein sollte, auf ihre Mitmusiker.

 

Was sind Deiner Meinung nach die meisten Fehler, die Bassisten bei der Soundwahl und Equipment machen?

Soundwahl: Begib dich in einen bzw. den speziellen Frequenzbereich, der für dich zugeteilt ist. Verteidige ihn mit Mann und Maus. Lass nicht zu, dass Gitarristen mit ihren „Egoshooter Drop-D Gitarren“ deinen Bereich abdecken. Dann ist deine Arbeit in dieser Band nämlich unnötig. Sollte dies der Fall sein, dann raus mit dem Gitarristen aus deinem Frequenzfeld oder raus mit dem Gitaristen aus der Band. Sollte beides nicht funktionieren, dann raus mit dir aus der Band. Jeder Tag, den du mit uneffektiven Mitmusikern verschwendest ist definitiv verschwendete Lebens- bzw. Musikerzeit, denn die ist kostbarer als du denkst.

 

Was würdest Du Dir von einem Bassisten wünschen?

Verliere dein Ziel nicht aus den Augen und sei Teil der Performance. Befasse dich nicht nur mit deinem Spiel sondern höre deinen Mitmusikern zu.

 

Wie nimmst Du am liebsten den E-Bass ab: Mikro, DI oder beides ?

Beides

 

Hast Du Erfahrung mit der Abnahme von Kontrabässen? Wenn Ja, was sind Deine Vorlieben bei der Abnahme und welche Tipps hast Du?

Piezzopickups. Wenn es die akustische Umgebung zulässt auch gerne ein Bassdrummikro z.B. AKG D112.

 

Was sind Deiner Meinung nach die wichtigsten Frequenzen beim Basssound?

Ich supporte sehr gerne den Bereich zwischen 100-125 Hz und gehe mit sehr geringen Anteilen in den Höhenbereich. „Knurrende“, „sägende“ oder „Flea-Mäßige“ Bässe sind nicht mein Ding und werden von mir auch nicht gesucht.

 

Gibt es Tipps, die Du bei der Platzierung vom Bassamp auf der Bühne geben kannst?

Stelle deinen Amp genau dorthin, wo du ihn gut hören kannst, er deinen Mitmusikern nicht zu laut ist und die Sicht für die Zuschauer auf die Bühne nicht versperrt wird. Wenn dieser Platz idealerweise nahe beim Drummer ist, umso besser. Dann benötigt er weniger Bassound auf seinem Monitor.

 

Was sollte man Deiner Meinung nach bei der Auswahl des Equipments beachten?

Kauf lieber einmal richtig als 10x billig. Denn die meisten von uns sind viel zu arm, um besch…nes Gear zu kaufen. Was du schlussendlich vom guten Stoff kaufst ist mir egal, denn ich komm mit fast jedem ordentlichen Gear zurecht. Eine Vorliebe habe ich dennoch. Ich stehe unheimlich darauf, wenn Bassisten einen „Tech 21 SansAmp“ als DI-Box verwenden, statt ihren integrierten DI-Ausgängen. Dieser darf ruhig zwischen Bass und Amp hängen. Da habe ich zwar keinen DI-Abgriff vom Amp, aber dafür ein geiles Signal aus dem SansAmp. Das Ampsignal bekomme ich dann per Mikro.

 

Was war Dein schlimmstes Erlebnis mit einem Bassisten?

Keines

 

Was war Dein schönstes Erlebnis mit einem Bassisten?

Die schönsten Erlebnisse sind meistens, wenn Bassisten musikalische Leiter von Bands sind. Bassisten haben eine vielfältigere herangehensweise an musikalische Lösungen als z.B. Gitarristen. Also: „Bassisten an die Macht!“

Vielen Dank Sven für die ausführlichen Antworten.

One Comment

  1. Henning

    Moin!
    Danke für das knackig-kurze Interview!
    Beim Lesen hatte ich trotz fast 20-jähriger (Hobby-) Basskarriere doch noch den ein oder anderen „Aha-Moment“ und so manches Mal die Bestätigung meiner eigenen Meinung.
    Weiter so!

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