Darkglass Anagram im extrem Praxis Test

Kann das Darkglass Anagram mein Bass Pedalboard ersetzen?

Kann ein Bass Multieffektgerät wirklich ein großes Bass Pedalboard ersetzen? In diesem Praxis Test zeige ich dir, wie ich mein analoges Live-Setup mit dem Darkglass Anagram nachgebaut habe, welche Bass Effekte im Bandkontext wirklich wichtig sind und ob das kompakte Gerät meine bisherigen Sounds auf der Bühne überzeugend ersetzen kann. Im Fokus stehen Live-Sound, Bass Setup, Pedalboard vs Multieffekt, echte Bühnenerfahrung und die Frage, welche Lösung für Bassisten im Alltag am sinnvollsten ist.

Pedalboard oder Multieffektgerät für Bass?

Bass Pedalboard vs Anagram Multieffekt

Wer viel Bass spielt, regelmäßig probt, Konzerte spielt oder sogar auf Tour unterwegs ist, kennt das Problem nur zu gut: Das eigene Pedalboard ist über Jahre gewachsen, klingt toll, erfüllt seinen Zweck – aber es ist eben auch schwer, sperrig und manchmal schlicht unpraktisch. Genau an diesem Punkt stand ich auch. Mein analoges Bass-Pedalboard hat mich lange zuverlässig begleitet, vor allem live auf der Bühne, unter anderem auch bei Gigs mit Yasi Hofer. Trotzdem wurde die Frage immer lauter:

  • Muss das wirklich alles noch so groß, schwer und aufwendig sein? 
  • Gibt es inzwischen eine kompaktere Lösung, die im echten Musikeralltag genauso funktioniert?

Genau darum geht es in diesem Artikel und dem passenden YouTube Video. Ich habe getestet, ob ich mein großes Live-Pedalboard mit mehreren Effektgeräten durch ein einziges kompaktes Multieffektgerät ersetzen kann: das Darkglass Anagram. 

Soundbeispiele und den direkten Vergleich von Anagram und meinem Pedalboard kannst du dir in meinem YouTube Video anhören. Kleiner Tipp: Verwende möglichst einen guten Kopfhörer oder Lautsprecher um die Soundunterschiede besser beurteilen zu können.

Video: Mein Live-Test mit dem Darkglass Anagram

darkglass anagram bass pedalboard live test

Warum ein großes Bass Pedalboard live oft unpraktisch wird

Ein Pedalboard ist für viele Bassisten mehr als nur technisches Zubehör. Es ist oft das Ergebnis von Jahren des Ausprobierens. Hier ein anderer Overdrive, dort ein besserer Compressor, irgendwann noch ein Chorus, ein Octaver oder ein spezieller Synth-Sound. Mit der Zeit wächst daraus ein Setup, das genau zum eigenen Stil passt. Das ist großartig – solange man die Nachteile ausblenden kann.

Denn spätestens wenn du regelmäßig unterwegs bist, zeigt so ein Setup auch seine Schattenseiten. Ein großes Pedalboard ist schwer. Es braucht Platz. Es muss transportiert, aufgebaut, verkabelt und zuverlässig mit Strom versorgt werden. Solange alles funktioniert, ist das okay. Wenn aber auf der Bühne plötzlich ein Kabel spinnt, ein Netzteil Probleme macht oder ein Pedal nicht das tut, was es soll, wird aus einem eigentlich simplen Live-Setup schnell eine Fehlerquelle.

Genau das war für mich der Punkt, an dem ich angefangen habe, ernsthaft über Alternativen nachzudenken. Nicht, weil ich Pedale plötzlich schlecht finde. Im Gegenteil: Ich mag gute analoge Effektgeräte sehr. Aber live zählt eben nicht nur der Klang, sondern auch Handling, Zuverlässigkeit, Flexibilität und Transportfreundlichkeit. Und da wird ein kompaktes Multieffektgerät plötzlich sehr interessant.

Bass Multieffektgerät live getestet

Anagram Darkglass Live Setup

Die zentrale Frage war für mich deshalb sehr konkret:

Schaffe ich es, die Sounds meines analogen Bass-Pedalboards mit dem Darkglass Anagram so nachzubauen, dass ich es live guten Gewissens einsetzen kann?

Dabei ging es nicht um irgendwelche beliebigen Sounds, sondern um genau die Klänge, die ich im Bandkontext und auf der Bühne tatsächlich verwende. Besonders wichtig war für mich dabei auch mein Live-Setup für Shows mit Yasi Hofer. Wenn ein Gerät diese Sounds überzeugend liefern kann, dann ist das für mich kein nettes Extra mehr, sondern ein echter Kandidat für den festen Live-Einsatz.

Ich habe das Anagram deshalb nicht nur ein paar Minuten im Studio ausprobiert. Ich hatte es über mehrere Wochen und Monate bei vielen Gigs dabei, in unterschiedlichen Bands, in verschiedenen Setups, mit und ohne In-Ear, mit Amp und ohne Amp. Es war also kein kurzer Ersteindruck, sondern ein echter Praxistest unter realen Bedingungen.

Was mir bei diesem Test wichtig war: Ich wollte keine künstliche Studio-Situation erzeugen. Deshalb habe ich bewusst auf typische Amp- und Cab-Simulationen verzichtet, wie man sie in vielen Presets oder Demos hört. Das ist für Recording, Kopfhörer oder ein direktes FOH-Setup oft sinnvoll. In meinem Fall ging es aber um etwas anderes.

Ich wollte hören, wie sich das Anagram in genau dem Signalweg verhält, den ich live normalerweise spiele.

  1. Bass ins Gerät 
  2. von dort in den Amp
  3. weiter in die Box
  4. und dann mit Mikrofon abgenommen

Genau das ist ja am Ende der Sound, den man als Musiker auf der Bühne wahrnimmt und den auch andere aus dem Lautsprecher hören. Diese Herangehensweise war mir wichtig, weil sie viel näher an der Live-Realität ist als eine reine DI-Demo über Studiomonitore.

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Grundsound mit Preamp und Compressor

Darkglass anagram Preamp Compressor

Der erste Schritt war natürlich mein Basissound. Auf meinem analogen Pedalboard habe ich dafür den Basswitch und Multicompressor von Lehle. Das sind keine extremen Effekte, sondern eher die Basis für alles, was danach kommt.

Genau dieses Prinzip habe ich im Darkglass Anagram nachgebaut. Ein leicht färbender Preamp, der dem Sound eine gewisse Form gibt, und danach ein Compressor, der ähnlich arbeitet wie mein gewohntes Setup. Der Vergleich im Studio war direkt spannend, weil sich schnell gezeigt hat: Das kommt wirklich erstaunlich nah an mein gewohntes Klangbild heran.

Natürlich gibt es Unterschiede in Nuancen. Der eine Sound hat vielleicht minimal mehr Höhen, der andere etwas mehr Wärme oder Tiefe. Aber in dem Moment, in dem man sich fragt, ob das live auf der Bühne relevant ist, wird die Sache sehr eindeutig: Im Bandkontext hört man diese feinen Unterschiede kaum bis gar nicht. Entscheidend ist, ob sich der Grundsound richtig anfühlt, ob er trägt und ob er sich im Mix so verhält, wie man es erwartet. Und genau das war hier der Fall.

Der angezerrte Bass Sound

Anagram Distortion Bass

Ein entscheidender Bestandteil meines Live-Sounds ist ein leicht angezerrter Basssound. Nicht komplett zerstört, nicht völlig fuzzig, sondern eher eine kontrollierte Sättigung mit etwas Drive, Presence und genau der richtigen Mischung aus direktem Basssignal und Effektanteil. Gerade der Blend-Regler ist dabei wichtig, weil ich nicht 100 Prozent Effektsound haben will. Der cleane Anteil sorgt dafür, dass der Bass trotzdem stabil und tragfähig bleibt. Auf meinem Pedalboard kommt hierfür der VT Bass Sans Amp von Tech21 NYC zum Einsatz.

Auch diesen Sound habe ich im Anagram nachgebaut – wieder mit dem Ziel, nicht irgendeinen „guten“ Zerrsound zu finden, sondern möglichst genau den Charakter meines Live-Boards zu treffen. Und auch hier war das Ergebnis beeindruckend. Das Gefühl beim Spielen war sehr nah an dem, was ich von meinem analogen Setup kenne. Der Sound hatte Druck, Präsenz und genug Definition, um sich im Bandgefüge durchzusetzen.

Gerade bei Bass-Overdrive trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Vieles klingt allein gespielt interessant, wird im Bandmix aber schwammig oder verliert Fundament. Deshalb war es für mich entscheidend, diese Sounds nicht nur isoliert zu hören, sondern im musikalischen Zusammenhang zu testen. Das Anagram hat hier für mich klar gezeigt, dass es nicht nur theoretisch viele Möglichkeiten bietet, sondern praktisch auch genau die Sounds liefern kann, die man als Live-Bassist wirklich braucht.

Chorus für Akkorde und flächigere Parts

Darkglass Anagram Bass Chorus

Ein weiterer Sound, den ich regelmäßig nutze, ist ein Chorus für Parts mit Akkorden oder etwas breiteren Klangflächen. Auf dem analogen Board verwende ich dafür normalerweise den absoluten Klassiker aus den 80ern. Den Chrous von tc electronic. Im Darkglass Anagram habe ich einen vergleichbaren Chorus gewählt und so eingestellt, dass er sich ähnlich dezent und musikalisch verhält.

Das war mir wichtig, weil Chorus auf Bass schnell zu viel werden kann. Wenn der Effektanteil zu hoch ist, verliert der Ton Stabilität. Wenn er zu schwach ist, bringt er zu wenig Farbe. Auch hier spielt der Blend eine zentrale Rolle. Im Ergebnis hat das Anagram diesen Sound sehr überzeugend abgebildet. Der Charakter war da, der Effekt war hörbar, ohne aufdringlich zu werden, und genau so muss es im Live-Kontext sein.

Gerade für Bassisten, die nicht nur stumpf Achtel begleiten, sondern auch mit Akkorden, Flächen oder atmosphärischen Parts arbeiten, ist so ein Sound keine Spielerei, sondern ein wichtiges musikalisches Werkzeug.

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Die größte Herausforderung: Synth-/Octaver-Sound

Anagram Octaver Sound

Der spannendste Teil des Tests war für mich aber ein ganz anderer Sound: ein spezieller Synth Basssound, den ich unter anderem für den Song „Maze“ von Yasi Hofer. Dieser Sound ist für mich nicht optional, sondern essenziell. Wenn der nicht funktioniert, ist die ganze Idee, das Board zu ersetzen, praktisch gescheitert.

Auf meinem bisherigen Setup nutze ich dafür eine Kombination aus Octaver, Filter vom DigiTech Synth Wah Pedal und Distortion aus dem VT Bass von Tech21 NYC. Das Ergebnis ist eine Art Bass-Synth-Emulation, die den Song live erst richtig komplett macht. Und genau solche Spezial-Sounds sind oft der Knackpunkt, wenn man von einzelnen Pedalen auf ein Multieffektgerät wechselt. Standard-Sounds wie Compressor oder leichter Drive sind eine Sache. Solche charakteristischen Spezialklänge überzeugend nachzubauen, ist eine ganz andere Liga.

Im Anagram habe ich dafür einen Octaver mit etwas Envelope Filter und einen zusätzlichen Overdrive miteinander kombiniert und wieder darauf geachtet, dass das Verhältnis zwischen Clean- und Effektsignal stimmt. Das Ergebnis hat mich ehrlich gesagt positiv überrascht. Nicht nur, weil der Sound grundsätzlich funktionierte, sondern weil er sich musikalisch richtig angefühlt hat. Genau das ist letztlich der entscheidende Punkt: Es reicht nicht, wenn ein Effekt nur formal ähnlich klingt. Er muss sich beim Spielen so verhalten, dass man sich darauf verlassen kann.

Und genau bei diesem entscheidenden Sound hatte ich das Gefühl: Ja, das funktioniert. Und zwar nicht nur irgendwie, sondern besser als meine bisherige Lösung.

Was im Studio zählt – und was live wirklich wichtig ist

Bei solchen Vergleichen muss man immer ehrlich bleiben. Wer mit Kopfhörern im Studio ganz genau hinhört, wird Unterschiede finden. Das ist normal und auch überhaupt nicht schlimm. Analoge Pedale reagieren etwas anders, färben auf ihre eigene Weise und haben oft eine eigene Dynamik. Ein digitales Multieffektgerät wird nie in jedem Detail exakt identisch sein.

Die entscheidende Frage ist aber nicht, ob zwei Sounds im Labor zu 100 Prozent gleich sind. Die entscheidende Frage ist:

  • Funktioniert es live? 
  • Setzt sich der Sound durch?
  • Fühlt er sich beim Spielen richtig an?
  • Kann man sich darauf verlassen?
  • Spart es Aufwand?
  • Ist es musikalisch überzeugend?

Genau unter diesem Gesichtspunkt hat mich das Darkglass Anagram überzeugt. Die kleinen Unterschiede, die man im direkten A/B-Vergleich im Studio vielleicht noch hört, spielen auf der Bühne praktisch keine Rolle. Im Gegenzug gewinnt man aber enorme Vorteile im Handling.

Ersetzt das Darkglass Anagram mein Pedalboard vollständig?

Meine ehrliche Antwort nach diesem Test lautet: Ja, im Live-Bereich sehr wahrscheinlich schon. Vielleicht nicht in jeder denkbaren Situation zu 100 Prozent und vielleicht nehme ich langfristig doch noch mal ein einzelnes Spezialpedal zusätzlich mit. Aber der Kern steht für mich fest:

Das Anagram kann mein großes Bass-Pedalboard in meinem Live-Alltag ersetzen.

Und das ist für mich keine kleine Aussage. Ich rede hier nicht von einer Übergangslösung oder einer netten Backup-Idee. Ich rede von einem Gerät, das mich so überzeugt hat, dass ich ernsthaft bereit bin, mein großes Setup zu Hause zu lassen und mit deutlich weniger Gepäck zu reisen. Wer oft unterwegs ist, weiß, was das wert ist.

Live und Studio sind zwei verschiedene Welten

Wichtig finde ich an dieser Stelle noch einen Gedanken, der oft untergeht: Live und Studio sind für mich zwei völlig unterschiedliche Szenarien. Im Studio kann ein spezieller Preamp, ein bestimmtes Mikrofon oder ein einzelnes Boutique-Pedal genau das richtige Werkzeug sein. Da geht es oft um feine Nuancen, um maximale Kontrolle und um sehr gezielte Klangentscheidungen.

Live sind die Prioritäten oft andere. Da zählen Zuverlässigkeit, Übersicht, Aufbauzeit, Transport und die Frage, ob ein Sound in der Band und auf der Bühne funktioniert. Genau deshalb muss man solche Geräte immer im richtigen Kontext beurteilen. Für mich hat das Anagram im Live-Einsatz absolut überzeugt. Im Studio werde ich es ebenfalls weiter testen, denn auch dort stehen Produktionen in meinem 31Hz Studio an, bei denen es spannend sein wird zu sehen, wie sich das Gerät schlägt.

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