Spielzeug oder echtes Instrument?
Eine Bass-Ukulele ist kein Spielzeug, sondern ein vollwertiges Instrument mit E-A-D-G-Stimmung wie ein E-Bass, nur im Miniaturformat.
Im Test: drei Modelle von Ortega – mit Bünden, mit akustischem Korpus und als Fretless-Variante – geprüft anhand von Repertoire von Rush, Jaco Pastorius, Rush, Chick Corea und Johann Sebastian Bach.
Welches der drei Modelle sich wofür eignet und wie sich die Bass-Ukulele im direkten Praxistest schlägt, steht im ausführlichen Artikel weiter unten.
Was ist eine Bass-Ukulele überhaupt?
Der Name ist ein bisschen irreführend. Eine Bass-Ukulele hat mit einer klassischen Ukulele eigentlich nur die Größe gemeinsam. Gestimmt wird sie genau wie ein E-Bass: E, A, D, G. Der Korpus ist winzig, dafür sind die Saiten ungewöhnlich dick – meistens aus Polyurethan oder umsponnenem Kunststoff, manche Bassisten nennen sie liebevoll „Spaghetti-Saiten". Genau diese dicken Saiten sorgen für einen Ton, der deutlich tiefer und runder ist, als die Größe des Instruments vermuten lässt.
Die drei Modelle, die ich von Ortega bekommen habe, unterscheiden sich spürbar:
Die Bass-Ukulele aus der Neo Serie sieht fast aus wie ein Mini-E-Bass. Mit Bünden, Piezo-Tonabnehmer, einem Lautstärkeregler und einer Klinkenbuchse zum Einstecken. Für alle, die direkt vom E-Bass umsteigen wollen, ist das der naheliegende Einstieg.
Modell zwei stammt aus der Bamboo Serie und hat einen akustischen Korpus mit Schallloch, dazu einen kleinen Preamp mit eingebautem Stimmgerät, der sich über USB laden lässt – eine Ausstattung, die man sonst eher von Akustikbässen kennt. Auch hier E-A-D-G, ganz normal gestimmt, nur eben mit den dicken Saiten.
Das Lizard Fretless Modell ist optisch mein persönlicher Favorit, wegen der Inlays. Eine Fretless-Ukulele ohne Bünde, nur mit Bund-Markierungen, in einer helleren Holzoptik. Auch sie hat Piezo-Tonabnehmer und Preamp mit Stimmgerät.
Alle drei kommen mit einem eigenen Gigbag, der ohne Probleme ins Handgepäck oder in die Dachbox passt und dabei kaum Platz wegnimmt. Genau das war einer der Gründe, warum ich überhaupt neugierig geworden bin.
Ortega hat mir diese drei Modelle kostenlos zur Verfügung gestellt, nachdem ich selbst danach gefragt hatte. Ich wollte die Instrumente einfach ausprobieren und meinen Schülern zeigen, dass man damit wirklich Spaß haben kann und dass sie ihre eigenen Vorteile mitbringen. Meine Einschätzung in diesem Artikel ist trotzdem meine eigene, positiv wie kritisch.
Der Alltagstest: geht das auch ohne Verstärker?
Bevor ich mich an die schwierigen Stücke gewagt habe, wollte ich wissen, wie die Bass-Ukulele im ganz normalen Alltag funktioniert. Dafür habe ich den Piezo-Tonabnehmer komplett ausgelassen und nur mit dem Mikrofon meines iPhones aufgenommen, während im Hintergrund ein Playalong aus der Tomplay App über den iPad-Lautsprecher lief. Kein Verstärker, kein Kabel, kein zusätzliches Equipment – genau der Sound, den du auch hast, wenn du unterwegs oder einfach kurz zu Hause üben willst.
Das Ergebnis: Der Ton trägt erstaunlich gut, gerade bei Reggae- und Latin-Basslinien kommt die warme, runde Charakteristik der dicken Saiten voll zur Geltung. Für den schnellen Übe-Moment zwischendurch, ohne Kabelgewurstel und ohne irgendwas einstecken zu müssen, ist das perfekt.
Die Bass-Ukulele war inzwischen auch schon bei einem echten Gig dabei – bei einem unplugged Blues-Abend, bei dem ich sonst nur den Kontrabass mitnehme. Verstärkt über den Piezo-Tonabnehmer war sie ein echter Hingucker neben dem Kontrabass. Sie klingt anders, keine Frage, aber mit einer eigenen, überraschend vollen Klangfülle.
Geht auch richtig schwierige Musik auf einer Bass-Ukulele?
Dass normale Basslinien auf so einem Instrument funktionieren, war für mich schnell klar. Die eigentlich interessante Frage war eine andere: kann ich auf der Bass-Ukulele auch Stücke spielen, die selbst auf einem normalen Bass fordernd sind? Dafür habe ich mir drei meiner absoluten Lieblingssongs ausgesucht.
YYZ von Rush
Ein Instrumentalstück im ungeraden Fünf-Viertel-Takt, technisch schon auf einem normalen Bass nicht ganz einfach. Im Video spiele ich das Stück auf dem E-Bass ähnlichen Neo Modell. Für mich der passende Einstieg in den ganzen Test. Auf der Bass-Ukulele war der Ton überraschend sauber und auch bei den ungeraden Takt und den schnellen Wechseln war viel Attack vorhanden. Die dicken Saiten haben mich hier erstaunlich wenig ausgebremst.
Teen Town von Jaco Pastorius
Das Stück lebt vom Groove und von der Phrasierung, nicht nur von reiner Geschwindigkeit. Genau da hat mich die Bass-Ukulele positiv überrascht. Die Intonation war die eigentliche Herausforderung, weil die Bundabstände auf diesem kleinen Instrument natürlich viel enger liegen als gewohnt. Mit etwas Übung hat es aber ganz gut funktioniert, und ich habe mich schneller wohlgefühlt auf dem Instrument, als ich erwartet hatte. Mit noch etwas mehr Übung, hätte es bestimmt noch besser funktioniert aber für den ersten Versuch war ich ganz zufrieden.
Spain von Chick Corea
Ein Song mit Latin-Elementen und einer Unisono-Melodielinie, bei der alle Instrumente gemeinsam die Linie spielen – technisch und harmonisch ganz anders als Teen Town. Gerade in den hohen Lagen, ganz weit oben auf den Bünden, wird es auf der Bass-Ukulele wirklich eng. Trotzdem hat es überraschend gut geklappt, und der Sound hat mich noch mal positiv überrascht.
Die Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach
Die Königsdisziplin für diesen Test. Bach auf einer Bass-Ukulele zu spielen ist nicht nur eine hervorragende Fingerübung, sondern tatsächlich ein wunderschönes Stück zum Spielen. Hier hat mir vor allem wieder der Abstand zwischen den Bünden zu schaffen gemacht. Um dieses Stück noch sauberer zu spielen, muss ich definitiv mehr Zeit zum Üben einplanen.
Was gewöhnungsbedürftig ist
Die engen Saitenabstände sind die größte Umstellung. Ich neige normalerweise dazu, in tiefen Lagen den Kontrabass-Fingersatz zu nehmen – auf der Bass-Ukulele wird das schnell eng. Besser fährt man mit einem Finger pro Bund. Für kleine Hände ist die Mensur natürlich viel besser geeignet als bei einem ausgewachsenen E-Bass.
Auch die Stimmung braucht etwas Fingerspitzengefühl. Bei den dicken Saiten dreht man am Stimmwirbel gefühlt eine ganze Weile, bis überhaupt etwas passiert – und dann schlägt die Tonhöhe plötzlich aus, zu hoch oder zu tief. Mit ein bisschen Übung bekommt man ein Gefühl dafür, aber am Anfang ist das gewöhnungsbedürftig. Beim Fretless-Modell kommt erschwerend hinzu, dass die Intonation ohne Bünde noch genauer sitzen muss.
Und für wen eignet sich das Instrument eher weniger?
Wenn du ausschließlich zu Hause am Verstärker übst und ohnehin nie unterwegs bist, bringt dir die Kompaktheit wenig – dann ist ein normaler E-Bass in jeder Hinsicht die praktischere Wahl, schon allein wegen der entspannteren Saitenabstände. Auch wer viel in sehr hohen Lagen mit schnellen, technischen Läufen unterwegs ist, wird auf dem kleinen Griffbrett schneller an Grenzen stoßen als auf einem regulären Instrument. Ich will hier ehrlich bleiben: Die Bass-Ukulele ersetzt meinen E-Bass nicht, und das soll sie auch gar nicht.
Mein Fazit: welches Modell für wen?
Keins der drei Modelle ist grundsätzlich besser als die anderen – es kommt darauf an, wofür du die Bass-Ukulele einsetzen willst.
Das Bamboo Modell mit dem akustischen Korpus und Schallloch hat mir vom reinen Klang her am besten gefallen – wer den akustischen Sound in den Vordergrund stellen will, liegt hier richtig.
Das Neo Modell ist quasi ein E-Bass in Miniatur. Für mich persönlich ist das nicht das erste Modell, das ich einpacke, weil ich gerade den akustischen Charakter der anderen beiden schätze. Wenn ich sowieso verstärken will, greife ich eher gleich zum echten E-Bass – der bietet mir das gleiche Prinzip mit etwas mehr Platz auf dem Griffbrett.
Das Fretless-Modell klingt für mich vom Sound her ebenfalls richtig gut, verlangt aber wegen der fehlenden Bünde spürbar mehr Übung bei der Intonation.
Mein persönlicher Favorit ist die Bass-Ukulele aus der Bamboo Serie. Es ist das Modell, das jetzt bei mir auch mit in den Urlaub fährt. Genau dafür ist eine Bass-Ukulele für mich am wertvollsten – als unkomplizierter Übe- und Reisebegleiter, mit dem trotzdem echte Musik möglich ist.
Häufige Fragen zur Bass-Ukulele
Ist eine Bass-Ukulele für Anfänger geeignet?
Ja, wenn du bereits Basserfahrung hast oder gerade erst einsteigst und dir ein besonders kompaktes Instrument wünschst. Die Stimmung entspricht dem E-Bass, das Grundprinzip beim Spielen ist also identisch. Die engeren Saitenabstände brauchen aber unabhängig vom Erfahrungslevel etwas Eingewöhnung.
Klingt eine Bass-Ukulele wie ein echter Bass?
Nicht identisch, aber überraschend nah dran. Durch die dicken Saiten ist der Ton deutlich tiefer und runder, als die geringe Größe vermuten lässt. Akustisch erinnert er in manchen Situationen sogar an einen Kontrabass.
Kann man eine Bass-Ukulele verstärken?
Ja, alle drei getesteten Modelle haben einen eingebauten Piezo-Tonabnehmer und lassen sich über eine normale Klinkenbuchse an Verstärker oder Interface anschließen.
Wie schwer ist eine Bass-Ukulele im Vergleich zum E-Bass?
Deutlich leichter und kompakter. Zusammen mit dem mitgelieferten Gigbag passt sie problemlos ins Handgepäck oder in eine Dachbox und nimmt dabei kaum Platz weg.
Braucht man für eine Bass-Ukulele einen speziellen Verstärker?
Nein, über die Klinkenbuchse funktioniert jeder normale Bassverstärker oder ein Audio-Interface am Rechner. Für den unplugged Einsatz reicht sogar der reine akustische Ton mit einem einfachen Mikrofon, so wie ich es im Video gezeigt habe.
Für wen lohnt sich eine Bass-Ukulele?
Vor allem für alle, die unkompliziert unterwegs üben wollen, ohne Verstärker und Kabel mitschleppen zu müssen – ob im Urlaub, auf Reisen oder einfach für die schnelle Übe-Einheit zu Hause auf dem Sofa.
Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick
- Stimmung wie ein E-Bass (E, A, D, G), aber mit dickeren Saiten aus Polyurethan
- Alle drei Modelle haben einen Piezo-Tonabnehmer und lassen sich verstärken
- Auch anspruchsvolles Repertoire funktioniert, mit etwas Übung wegen der engen Saitenabstände
- Ideal als leichter, kompakter Reise- und Übebegleiter, kein Ersatz für den E-Bass
- Alle Modelle passen mit Gigbag ins Handgepäck
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