Blues Bass lernen am Beispiel "Mustang Sally"
Der Song „Mustang Sally“ gehört zu den absoluten Klassikern des Blues und Rhythm & Blues. Kaum ein anderer Titel wird so häufig auf Sessions, in Coverbands oder bei Blues-Jams gespielt. Gleichzeitig ist „Mustang Sally“ ein perfektes Beispiel dafür, wie unterschiedlich ein Song klingen kann – allein durch die Basslinie.
In diesem Artikel zeige ich dir drei bekannte Versionen von „Mustang Sally“, drei unterschiedliche Ansätze für eine Blues Basslinie – und die Frage, warum sie jeweils so gut funktionieren. Dabei geht es nicht um das bloße Nachspielen von Noten, sondern um Groove, Feel, Stilverständnis und musikalische Entscheidungen.
Dieser Beitrag basiert auf einem Video aus meinem Blues Bass Online Kurs, den du aktuell kostenlos testen kannst.
Mustang Sally: Drei Basslinien, drei Grooves
„Mustang Sally“ ist harmonisch überschaubar, rhythmisch klar strukturiert und stilistisch offen. Genau deshalb eignet sich der Song ideal, um grundlegende Blues-Konzepte auf dem Bass zu lernen. In dem Song kommt ein erweitertes Bluesschema zum Einsatz. Statt der üblichen 12 Takte kommen wir hier auf ingesamt 24 Takte (ohne Intro natürlich).
Der Song ist bekannt durch viele Interpretationen, unter anderem von Wilson Pickett, The Commitments sowie Buddy Guy & Jeff Beck. Jede Version hat ihren eigenen Charakter – und genau das macht sie für Bassisten so spannend.
Wilson Pickett
Klassischer R&B-Blues mit Offbeat-Groove
Beginnen wir mit der Version von Wilson Pickett, die für viele Bassisten stilprägend ist. Der Bass spielt hier keine komplizierte Linie, sondern eine clever platzierte, rhythmisch starke Begleitung, die den Song trägt.
Was macht diese Basslinie aus?
- starker Fokus auf Offbeats
- Kombination aus Grundton, großer Septime und Blue Note
- chromatische Übergangstöne
- rollender Groove
Obwohl harmonisch ein C7-Akkord vorliegt, arbeitet der Bass nicht stur die Akkordtöne ab. Stattdessen wird hier eher untypisch für einen Dominant Sept Akkord die große Septime als chromatischer Übergangston verwendet. Außerdem wird mit der verminderten Quinte als Blue Note aus der Bluestonleiter gearbeitet.
Entscheidend ist, wie die Noten rhythmisch platziert sind. Der Groove entsteht durch Offbeats, Pausen und die Verbindung von Akkordtönen und Übergangstönen.
Diese Version zeigt sehr deutlich: Der Groove entsteht durch Rhythmik, nicht durch viele Noten.
The Commitments
Die „Standard“-Basslinie mit Soul-Charakter
Die Version aus dem Film “The Commitments” ist für viele Musiker die Referenz. Wenn jemand auf einer Jam sagt: „Lass mal Mustang Sally spielen“, erwarten die meisten genau diese Basslinie.
Charakter der Commitments-Version
- klarer R&B- und Soul-Groove
- sehr eingängige Bassfigur
- viel Arbeit auf den Offbeats
- Einsatz der Bluestonleiter
- wenige Variation, dafür maximale Wiedererkennbarkeit
Diese Basslinie funktioniert so gut, weil sie musikalische Sicherheit vermittelt. Sie ist vorhersehbar im besten Sinne, gibt der Band Halt und sorgt dafür, dass sich alle Musiker sofort orientieren können.
Warum diese Basslinie so beliebt ist:
- sie ist leicht zu merken
- sie groovt sofort
- sie lässt Raum für Gesang und Bläser
- sie funktioniert in fast jeder Besetzung
Nicht jede Basslinie muss kreativ oder komplex sein – manchmal ist genau das Erwartbare die beste Wahl.
Buddy Guy & Jeff Beck
Rockiger Blues mit mehr Freiheit
Die Version von Buddy Guy und Jeff Beck unterscheidet sich deutlich von den beiden vorherigen Interpretationen. Hier wird „Mustang Sally“ wesentlich rockiger gespielt – und das hat direkte Auswirkungen auf die Basslinie.
Was ist hier anders?
- weniger Offbeats
- mehr gerade Achtel
- größerer Fokus auf Drive und Energie
- deutlich mehr Variation im Bass
- weniger restriktiver Groove
Der Bassist variiert während des Songs ständig. Es gibt keine „eine richtige Basslinie“, sondern viele Möglichkeiten, sich musikalisch auszudrücken. Genau das macht diese Version besonders interessant für fortgeschrittene Bassisten.
Hier lernst du, dass Blues nicht immer gleich klingt. Je nach Stil, Tempo und Bandkontext kannst du viel freier mit Basslinien umgehen, ohne den Song zu verlieren. Wenn der Groove offener ist, bekommst du mehr Freiheit – aber auch mehr Verantwortung.
Warum ist Feel wichtiger als Technik beim Blues?
In allen drei Versionen tauchen ähnliche tonale Elemente auf:
- Bluestonleiter
- Moll- und Dur-Pentatonik
- Mixolydische Tonleiter
- Akkordtöne des Dominantseptakkords
Der große Unterschied liegt nicht im Tonmaterial, sondern im Feel. Genau hier scheitern viele Bassisten: Sie kennen die Tonleitern, aber die Basslinie groovt nicht.
Der Blues zeigt sehr deutlich, dass es nicht darum geht, möglichst viele Skalen zu kennen, sondern die richtigen Töne zur richtigen Zeit zu spielen.
Warum ist Blues die Grundlage moderner Musikstile?
Blues ist nicht nur ein eigenes Genre – er ist das Fundament für Rock, Soul, Funk, R&B und sogar Popmusik.
Wenn du Blues Bass verstehst, profitierst du automatisch in anderen Musikrichtungen:
- besseres Timing
- stärkeres Groove-Gefühl
- sicherer Umgang mit Standard Akkordfolgen
- entwickeln von musikalischen Basslinien
- mehr Ausdruck im Spiel
Warum groovt eine Basslinie mehr als eine andere?
„Mustang Sally“ zeigt exemplarisch, worum es beim Blues Bass wirklich geht:
Nicht um komplizierte Theorie, sondern um Groove, Feel und musikalisches Verständnis.
Wenn du lernst, wie unterschiedlich ein Song klingen kann – allein durch den Bass – wirst du automatisch ein besserer Musiker.
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