Warum du den Bass im Song nicht raushörst
Den Bass raushören bedeutet, Grundton, Basstöne und Basslinien im Song nach Gehör zu finden. Hier erfährst du, warum das beim Bass so schwerfällt und was dir die Gehörbildung in der Praxis bringt. Mit kostenlosen Übungen, Videos und Play Alongs trainierst du dein Gehör vom Grundton über Intervalle bis zur Akkordfolge.
Warum Gehörbildung am Bass so wichtig ist
Gehörbildung klingt nach Theorie. Für Bassisten ist sie Praxis. Wer den Bass im Song hört, braucht weniger Hilfe von außen, und das merkst du in jeder Probe.
Das bringt dir ein geschultes Gehör am Bass:
- Du lernst Songs schneller. Du wartest nicht auf Tabs und Chartsheets. Wenn du die Basslinie hörst, kannst du sie spielen. Und wenn ein Tab nicht stimmt, merkst du es.
- Du findest in der Band schneller den Grundton. Bei der Probe, beim Jam oder bei einer Session spielst du mit, auch wenn dir niemand die Akkorde aufschreibt.
- Du erkennst Akkordschemata. Ist es ein Blues? Hat er einen Quick Change oder einen Turnaround? Auch bei Popsongs kommen bestimmte Akkordverbindungen immer wieder vor. Wer sie hört, weiß, was als Nächstes kommt.
- Du kontrollierst dich selbst. Du hörst, ob du den richtigen Ton triffst, und bist nicht auf Hilfe von außen angewiesen.
Klassisches Gehörtraining hat mir am Bass wenig gebracht
Im Video spiele ich dir zu Beginn eine kurze Basslinie vor und frage: Könntest du diese Basslinie allein heraushören und nach Gehör nachspielen, ohne dass ich dir zeige, welche Töne ich spiele? Wenn nicht, bist du nicht allein. Mir ging es früher genauso.
Im Musikstudium in den USA hatte ich Gehörbildung, wie jeder andere auch. Klassisch: Einer sitzt am Klavier und spielt Töne, Melodien oder Akkorde vor. Du musst hören, was er spielt. Für mich hat das nie richtig funktioniert. Und um herauszufinden, was ein Bassist auf einer Aufnahme spielt, hat es mir wenig gebracht.
Deshalb zeige ich dir hier Übungen, die näher an der Praxis sind. Alle Übungen findest du hier kostenlos zum Herunterladen, ohne Anmeldung.
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Warum ist der Bass so schwer herauszuhören?
Das Problem haben wir alle. Unsere Ohren sind nicht dafür gemacht, tiefe Frequenzen genau zu erkennen. Je tiefer wir gehen, desto schwieriger wird es. Liegt da ein Halbton dazwischen oder ein Ganzton? Ist das der richtige Ton oder nicht?
Dazu kommen drei Dinge:
- Der Mix. Wie deutlich der Bass im Song zu hören ist, hängt von der Aufnahme ab.
- Die Lautsprecher. Handy und Laptop geben tiefe Bassfrequenzen kaum wieder.
- Die Gewohnheit. Melodien hören wir schon als Kinder. Der Bass hat nicht die Präsenz einer Melodie, einer Solostimme oder eines Gesangs. Man ist es einfach nicht gewohnt, darauf zu achten.
Bei Gigs fragt mich manchmal jemand: "Ich sehe, dass du da spielst, aber ich höre gar nicht richtig, was du machst." Das liegt nicht an dir und nicht an mir. Das Hören muss man trainieren.
Wunder dich also nicht, wenn es dir am Anfang schwerfällt. Das kommt mit der Zeit.
Ein Vorteil bei tiefen Frequenzen: Den Rhythmus hörst du besser. Bei einer Bassdrum merkst du sofort, wann sie kommt. Die Tonhöhe ist dafür schwerer zu erkennen. Darum fällt es auch eher auf, wenn der Bass rhythmisch nicht tight spielt, als wenn ein Ton nicht ganz stimmt.
Mein Tipp für alle Übungen unten: Nimm Kopfhörer oder größere Lautsprecher. Sonst hörst du die tiefen Töne nicht richtig.
Übung 1: Höher oder tiefer? Die leeren Saiten
In der ersten Übung erkennst du nur Tonhöhen. Du musst nicht sagen können, welcher Ton es ist. Es geht nicht um ein absolutes Gehör (Perfect Pitch). Es geht nur darum, ob der Ton, den du spielst, höher oder tiefer ist als meiner, oder ob es der richtige ist.
So funktioniert es:
- Ich spiele eine leere Saite: E, A, D oder G. Du weißt nicht, welche.
- Du nimmst deinen Bass und spielst die leere Saite, die du für die richtige hältst.
- Du vergleichst: War mein Ton höher, tiefer oder gleich?
- Du nimmst die nächste Saite, bis es passt.
Ein Beispiel: Du fängst mit dem E an, ich habe ein A gespielt. Das E ist tiefer, also probierst du einen höheren Ton. Fängst du mit dem G an, ist das höher als mein A. Dann gehst du tiefer. So näherst du dich Stück für Stück.
Setz dich mit dem Bass hin, Kopfhörer auf, konzentrier dich. Hör kurz rein, mach eine Pause und probier.
Hier findest du die Lösung
Übung 2: Töne auf den ersten 4 Bünden
Die zweite Stufe: Du suchst Töne, die nicht auf einer leeren Saite liegen. Zum Beispiel ein F auf dem ersten Bund der E-Saite oder ein C# am vierten Bund der A-Saite.
Das Prinzip bleibt gleich. In dem Playalong hörst du erst die Leersaite als Referenz (in den Beispielen unten ist es immer die leere A-Saite). Hören, durchspielen, testen: Bin ich zu hoch oder zu tief? Und so näherst du dich Stück für Stück an den richtigen Ton. Im ersten Teil der Übung spiele ich die Töne als lange Noten ohne einen bestimmten Rhythmus.
Hier findest du wieder die Lösung
Praxistauglich ist diese Übung noch nicht, weil sie außerhalb eines Songs liegt. In einem echten Song ist es schwerer: Andere Instrumente spielen mit, und die Frequenzen überlagern sich. Dafür ist die nächste Übung da. In dem zweiten Playalong verwende ich unterschiedliche Rhythmus-Varianten. Das hört sich dann schon eher wie eine echte Basslinie an. Außerdem kommt die Band dazu und jetzt ist es fast schon wie in einem echten Song.
Und auch für diese Übung gibt's natürlich hier das Lösungsblatt
Übung 3: Die Töne im Song finden
Jetzt wird es praktisch. Du hörst einen Playalong und spielst die Basslinie dazu nach. Die Töne stecken im Song, wechseln schneller, und es sind mehrere hintereinander. Ich spiele hier immer die Grundtöne der Akkorde mit durchgehenden Achtelnoten. Du musst nun die richtigen Töne herausfinden und nachspielen. Wenn es dir zu schnell geht, dann drück einfach immer zwischendurch auf Pause, suche den passenden Ton und spiele dann weiter bzw. starte nochmal von vorne.
Hier findest du die Akkorde zu denen ich die Grundtöne gespielt habe Lösungsblatt
Im folgenden Beispiel spiele ich eine etwas längere Akkordfolge. Das ist etwas schwerer. Außerdem spiele ich nur am Anfang mit. Danach solltest du versuchen die Grundtöne der Akkorde selbst rauszufinden. Du kannst auch hier wieder so oft zurückspulen, wie du willst:
Eventuell hast du diese typische Akkordfolge gleich erkannt und konntest recht schnell mitspielen. Falls nicht findest du hier die passenden Akkorde Lösungsblatt
Mit der Zeit hörst du bei Songs immer besser, welches Akkordschema dahintersteckt. Ist es ein Blues? Mit Quick Change oder mit einem anderen Turnaround? Auch bei Popsongs kommen bestimmte Akkordverbindungen immer wieder vor. Das hilft beim Heraushören enorm.
Sagt dir das Blues-Schema noch nichts? Dann schau dir mal diesen Artikel von mir an. Falls du bereits Blues Bass spielst ist mein Online Blues Bass Kurs bestimmt interessant für dich. Julia Hofer findet den übrigens auch "sehr empfehlenwert".
Übung 4: Intervalle mit Eselsbrücken aus Basslinien
Die nächste Stufe: Basslinien, die nicht nur aus Grundtönen bestehen, sondern aus Intervallen.
Im klassischen Gehörtraining nimmt man oft Kinderlieder oder bekannte Melodien als Gedächtnisstütze für Intervalle. Ich empfehle dir etwas anderes: Nimm Basslinien, die du kennst.
Ein Beispiel ist "Under Pressure". Die Linie geht vom D zum A, also eine Quarte nach unten. Ein zweites Beispiel ist "Another One Bites the Dust" von Queen. Dort liegt zwischen E und G eine kleine Terz und zwischen E und A eine Quarte.
Merkst du dir so eine Linie, hörst du das Intervall später in einem anderen Song wieder. Das ist viel einfacher, als wenn dir jemand am Klavier Intervalle vorspielt. Du hast die Basslinie schon tausendmal gehört und erkennst sie sofort.
Dafür baust du dir eigene Eselsbrücken: mit Songs, die du kennst und bei denen du sagst: "Das habe ich schon tausendmal gehört, das erkenne ich sofort."
Um die Intervalle besser üben zu können habe ich eine komplette YouTube Playliste mit 13 Shorts zum Üben erstellt.
Zusätzlich dazu kannst du auch in dem nächsten Playalong versuchen die Basslinie herauszufinden.
Als kleiner Tipp: die Akkorde sind die gleichen wie im ersten Playalong der Übung 3. Diesmal spiele ich aber nicht nur die Grundtöne, sondern noch weitere Töne der Akkorde. Schreib mir gerne deine Lösung.
Sind Hilfsmittel beim Heraushören okay?
Das wird manchmal kontrovers diskutiert. Es gibt Apps, mit denen du den Song langsamer abspielst, ohne dass sich die Tonhöhe ändert, zum Beispiel Anytune oder Transcribe. Und es gibt Programme, die die Bassspur herausziehen, sodass du nur den Bass hörst, zum Beispiel Moises oder Logic.
Dann kommt die Frage: Ist das nicht Betrug am eigenen Ohr? Wäre es nicht besser, mehr Zeit mit genauem Hinhören zu verbringen?
Das musst du selbst entscheiden. Wenn dir das langsamere Tempo oder die isolierte Bassspur hilft, nutz sie. Wenn du schon schnell genug bist und es nur noch um ein paar Details geht, brauchst du sie nicht.
Geht es nur noch um zwei, drei Töne, kannst du im Internet nachschauen. Vielleicht hat es jemand herausgeschrieben, und hoffentlich stimmt es. Oder du nimmst ein Hilfsmittel nur für diese kleine Stelle.
Mein Rat: Setz dich zuerst selbst hin und versuch, die Basstöne und die Basslinie herauszufinden. Nimm die Hilfsmittel danach zur Kontrolle. Hab ich es richtig gehört? Oder hat jemand die Linie im Video vielleicht sogar falsch notiert? Wer weiß das schon.
Es braucht einfach Zeit, bis das Gehör geschult ist. Eigentlich ist das eine Lebensaufgabe. Mit oder ohne Hilfsmittel: Es hilft dir immer mehr, als dich gar nicht darum zu kümmern.
Häufige Fragen zum Bass raushören
Warum höre ich den Bass im Song so schlecht heraus?
Tiefe Frequenzen sind für unsere Ohren schwerer zu unterscheiden. Dazu kommen der Mix, kleine Lautsprecher bei Handy und Laptop und die fehlende Gewohnheit: Melodien kennst du von klein auf, Bassläufe hast du nie trainiert.
Wie kann ich den Bass im Song besser raushören?
Nimm Kopfhörer oder große Lautsprecher. Reduzier den Song erst auf lange Töne und such den Grundton. Danach kümmerst du dich Stück für Stück um die anderen Töne.
Brauche ich ein absolutes Gehör, um Basslinien herauszuhören?
Nein. In den Übungen geht es nicht darum, den Ton zu benennen. Du erkennst nur, ob dein Ton höher, tiefer oder richtig ist.
Welche Apps helfen beim Heraushören?
Mit Anytune oder Transcribe spielst du Songs langsamer ab, ohne dass sich die Tonhöhe ändert. Mit Moises oder in Logic kannst du die Bassspur herausziehen und nur den Bass hören.
Ist es Betrug, wenn ich solche Hilfsmittel nutze?
Das musst du selbst entscheiden. Wenn sie dir helfen, nutz sie. Mein Rat: Versuch es zuerst selbst und nimm die Hilfsmittel danach zur Kontrolle.
Wie lange dauert es, bis ich Basslinien heraushöre?
Das Gehör braucht Zeit, um sich darauf einzustellen. Eigentlich ist es eine Lebensaufgabe. Jede Übung hilft dir, mit oder ohne Hilfsmittel.
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